Zwei Tage voller Begegnungen, Rückblicke und Perspektiven
Torgau. Mit einer festlichen Abendveranstaltung am 16. Juni und einem gut besuchten Tag der offenen Tür am 17. Juni feierte die Suchtberatung der Diakonie in Nordsachsen ihr 35-jähriges Bestehen in Torgau. Zahlreiche Gäste, langjährige Wegbegleiter, Kooperationspartner und Interessierte nutzten die Gelegenheit, gemeinsam auf die Entwicklung der Beratungsstelle zurückzublicken und zugleich den Blick auf aktuelle Herausforderungen und zukünftige Aufgaben zu richten.
Die Jubiläumsfeier am Dienstagabend stand ganz im Zeichen von Dankbarkeit, Rückblick und Ausblick. In verschiedenen Beiträgen wurde die Entwicklung der Suchtberatung von ihren Anfängen bis heute nachgezeichnet. Mitarbeitende und ehemalige Kolleginnen und Kollegen berichteten eindrucksvoll aus ihrem Arbeitsalltag und gaben Einblicke in die vielfältigen Hilfsangebote für Menschen mit Suchterkrankungen und deren Angehörige. Die Sozialdezernentin des Landkreises, Frau Schmidt, beleuchtete die Suchthilfe aus kommunaler Sicht. Frau Borchert, Leiterin der Justizvollzugsanstalt Torgau, berichtete über die anspruchsvolle Arbeit der Suchtberatung innerhalb der JVA und würdigte zugleich das 30-jährige Bestehen dieser erfolgreichen Zusammenarbeit.

Großes Interesse fand der Fachvortrag von Dr. Joseph, langjähriger Partner der ambulanten Suchtrehabilitation. Er sprach über verschiedene Suchtmittel und deren gesundheitliche sowie gesellschaftliche Folgen und zeigte auf, vor welchen Herausforderungen die Suchthilfe heute steht. Dabei wurde deutlich, wie wichtig Prävention, Aufklärung und frühzeitige Unterstützung auch künftig bleiben. Gleichzeitig betonte er den hohen Wert einer verlässlichen Begleitung durch Suchtberatungen und machte deutlich, wie lohnend es ist, in Menschen und ihre Zukunft zu investieren.
Für einen heiteren Kontrast sorgte die „Furchtlose Bühnengang“, eine Theatergruppe der Heporö gGmbH, deren Spielerinnen und Spieler mit einer Suchterkrankung leben. Mit Sketchen von Loriot eroberten sie die Herzen des Publikums im Sturm und sorgten für viele Lacher. Ihr Auftritt zeigte eindrucksvoll, wie Kreativität, Gemeinschaft und kulturelle Teilhabe neue Perspektiven eröffnen können. Bei einer kleinen Stärkung und zahlreichen Gesprächen bot der Abend zudem viel Raum für Begegnung und Austausch.
Auch der Tag der offenen Tür am Mittwoch stieß auf große Resonanz. Fast 100 Besucherinnen und Besucher informierten sich über die Angebote der Suchtberatung. Unter den Gästen waren Klientinnen und Klienten, Angehörige, Therapeutinnen und Therapeuten, Sozialarbeitende, Mitarbeitende aus Verwaltungen und dem Jobcenter sowie viele interessierte Bürgerinnen und Bürger. Neben dem Team der Suchtberatung stellten auch die beiden ortsansässigen Selbsthilfegruppen ihre Arbeit vor und standen für Gespräche bereit. Die Polizei beteiligte sich mit Präventionsangeboten und informierte über Risiken und Schutzmöglichkeiten im Zusammenhang mit Suchtmitteln. Gemeinsam mit der Jugendhilfe der Outlaw gGmbH präsentierte die Stadt Torgau alkoholfreie Wohlfühlgetränke und setzte damit ein sichtbares Zeichen dafür, wie erfolgreich Prävention und Zusammenarbeit vor Ort gelingen können.
Besonders großes Interesse weckte die Ausstellung mit sogenannten Präventionsbabys. Anhand spezieller Modelle konnten die Besucherinnen und Besucher die Folgen von Alkohol- und Drogenkonsum während der Schwangerschaft nachvollziehen und Unterschiede zu gesunden Neugeborenen kennenlernen. Die Ausstellung regte viele Gespräche an und machte die Bedeutung frühzeitiger Prävention eindrucksvoll erlebbar.
An der interaktiven Reaktionswand „TWall“, die sowohl am Dienstag als auch am Mittwoch aufgebaut war, konnten die Teilnehmenden ihre Schnelligkeit und Koordination auf spielerische Weise testen. Ziel war es, die jeweils aufleuchtenden Punkte so schnell wie möglich mit der Hand zu berühren. Im Anschluss wurde derselbe Test mit sogenannten Rauschbrillen wiederholt. Dabei standen drei verschiedene Varianten zur Verfügung: eine Brille, die eine Beeinträchtigung von etwa 0,8 Promille simuliert, eine weitere mit rund 1,3 Promille sowie eine Cannabisbrille. So konnten die Teilnehmenden unmittelbar erfahren, wie sich Alkohol- oder Cannabiseinfluss auf die Wahrnehmung, Koordination und insbesondere die Reaktionsgeschwindigkeit auswirken kann. Die praktische Erfahrung sorgte für viele Aha-Momente und vermittelte auf anschauliche Weise die Risiken, die der Konsum von Alkohol oder Cannabis im Straßenverkehr und im Alltag mit sich bringt.

Die Verantwortlichen der Suchtberatung ziehen ein durchweg positives Fazit: „Wir freuen uns sehr über die große Resonanz, die vielen wertschätzenden Begegnungen und das Interesse an unserer Arbeit. Die vergangenen beiden Tage haben eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig Suchthilfe für unsere Region ist und wie viel erreicht werden kann, wenn Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen.“ Ein herzlicher Dank gilt allen Gästen, Unterstützern, Kooperationspartnern, Mitwirkenden und Helfenden, die zum Gelingen der Jubiläumsveranstaltungen beigetragen haben. Ein besonderer Dank geht außerdem an die Landbäckerei Schröder für die beeindruckende Jubiläumstorte, die bei den Gästen für große Begeisterung sorgte. Seit 35 Jahren begleitet die Suchtberatung der Diakonie in Nordsachsen Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Auch in Zukunft bleibt ihr Ziel, Betroffenen und Angehörigen mit Beratung, Unterstützung und Perspektiven zur Seite zu stehen. Christine Bein
Kontakt:
Suchtberatungsstelle Torgau
Bahnhofstr. 7 • 04860 Torgau
Tel. 03421-72 45 41
eMail: suchtberatung@diakonie-delitzsch.org
Suchtberatungsstelle Oschatz
Kirchplatz 2 • 04758 Oschatz
Tel. 03435-98 76 56