Gemeinsam weitergehen – Diakonie in Nordsachsen wächst zusammen

Delitzsch. Manchmal entstehen gute Wege nicht plötzlich, sondern wachsen behutsam, Schritt für Schritt. Zum Jahresbeginn 2026 haben das Diakonische Werk Delitzsch/Eilenburg e. V. und das Evangelische Diakoniewerk Oschatz/Torgau gGmbH genau einen solchen Weg gemeinsam vollendet. Seitdem werden alle Arbeitsbereiche des Oschatzer Werkes innerhalb des Diakonischen Werkes Delitzsch/Eilenburg weitergeführt. Mit der notariellen Unterzeichnung des Übernahmevertrages am 2. Dezember 2025 wurde dieser Prozess offiziell besiegelt und zugleich ein neues Kapitel diakonischer Arbeit in Nordsachsen aufgeschlagen.

Bei der Vertragsunterzeichnung kamen die Geschäftsführungen beider Werke und Mitglieder der Vorstände zusammen, darunter von Delitzscher Seite Justiziar Andre Becht und Superintendent Mathias Imbusch. Der Moment war geprägt von Wertschätzung und gegenseitigem Vertrauen und wurde getragen von der gemeinsamen Überzeugung, dass diakonische Arbeit dort am stärksten ist, wo Verantwortung geteilt wird.

Diese Stärke ist über viele Jahre gewachsen. Seit seiner Gründung im Jahr 1991 hat sich das Diakonische Werk Delitzsch/Eilenburg kontinuierlich entwickelt. Mit der ersten Geschäftsstelle in der Delitzscher Schlossstraße über den Standort Markt 15 bis hin zur heutigen Zentrale in der Bonhoefferstraße 4 wuchs das Werk jedes Jahr um einige Arbeitsbereiche und Mitarbeitende mehr. Mit dem Umzug im Frühjahr 2025 wurden nicht nur moderne Arbeitsbedingungen geschaffen, sondern auch Raum für neue Ideen und kommende Aufgaben. Am 23. Januar 2026 lädt das Werk von 10 bis 13 Uhr herzlich zu einem Tag der offenen Tür ein.

Auf dieser gewachsenen Grundlage begann im Februar 2023 der Vereinigungsprozess mit dem Diakoniewerk Oschatz/Torgau. Der Weg dorthin war anspruchsvoll und verlangte Geduld, Offenheit und Vertrauen auf allen Seiten. Geschäftsführer Tobias Münscher-Paulig beschreibt diese Zeit rückblickend so: „Es gab zunächst Skepsis, später Neugier und schließlich Freude und Hoffnung.“

Ausgangspunkt der Gespräche war die wirtschaftlich herausfordernde Situation des Oschatzer Werkes. Ziel war es von Beginn an, die dort geleistete wertvolle soziale Arbeit zu erhalten und zukunftsfähig aufzustellen. Nachdem andere Kooperationsansätze nicht tragfähig waren, entwickelte sich die Fusion mit dem Diakonischen Werk Delitzsch/Eilenburg zu einer Perspektive, die Halt und neue Möglichkeiten bot. Besonders Geschäftsführer Tobias Münscher-Paulig und Janet Liebich begleiteten diesen Prozess in den vergangenen Jahren intensiv und gestalteten die Zusammenführung an entscheidenden Schnittstellen.

Heute zeigt sich, was aus diesem gemeinsamen Weg gewachsen ist: Rund 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind nun unter dem Dach der Diakonie in Nordsachsen tätig, an etwa 18 Standorten und in rund 60 Einsatzstellen. Sie begleiten Menschen in allen Lebenslagen, verlässlich, fachlich kompetent und mit Herz. Damit zählt das Werk zu den größten Arbeitgebern im sozialen Bereich im Landkreis Nordsachsen.

Superintendent und Vorstandsmitglied Mathias Imbusch betont dabei die geistliche Dimension dieses Engagements: „Kirche zeigt sich nicht allein im Wort, sondern im Handeln. Diakonie ist gelebte Nächstenliebe und ohne sie wäre Kirche unvollständig.“

Der Bedarf an Unterstützung wächst weiter, insbesondere in der Altenpflege und -hilfe. „In vielen Bereichen fängt die Diakonie auf, was staatlich kaum noch zu leisten ist“, so Tobias Münscher-Paulig. Umso wichtiger sei es, Strukturen zu schaffen, die Mitarbeitende stärken und langfristige Hilfe ermöglichen. Soziale Arbeit hält unsere Gesellschaft zusammen und ermöglicht Teilhabe und gerade deshalb steht sie heute unter erheblichem Druck, weil finanzielle Mittel knapper werden; umso mehr braucht es gemeinsames Engagement, Solidarität und Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und zu helfen.

Der formale Abschluss der Fusion erfolgt nach der Prüfung des wirtschaftlichen Abschlussberichtes 2025 des ehemaligen Oschatzer Werkes. Für alle Beteiligten war besonders wichtig, dass im Zuge der Zusammenführung es zu keinerlei betriebsbedingten Kündigungen kommt und das wurde geschafft.

So entsteht in Nordsachsen eine Diakonie, die aus Verantwortung gewachsen ist und getragen wird, von Vertrauen, Zuversicht und der gemeinsamen Freude auf das, was vor ihr liegt. Beide Seiten blicken hoffnungsvoll in die Zukunft und sind überzeugt, dass das neue gemeinsame Werk ein starker, verlässlicher Partner innerhalb der Freien Wohlfahrtspflege sein wird, für die Menschen in der Region und für alle, die hier Hilfe, Begleitung und ein offenes Herz finden.

Andreas Bechert