Kita-Betreuung: Diakonie setzt auf Qualität statt Quantität

Nordsachsen. Auf dem Diakonie-Sonntag im August in Torgau erwähnte Geschäftsführer Tobias Münscher-Paulig in seinem Bericht, dass die Diakonie im Verbund Nordsachsen über 1.000 Kita-Plätze in ihren Einrichtungen zählt und anbietet. Aufgrund des anhaltenden Geburtenrückgangs in Deutschland stehen momentan in allen Einrichtungen freie Plätze zur Verfügung. Sina Weidler, Fachbereichsleitung der Kindertagesstätten weiß um das Problem und kennt auch dessen Ursachen. Sina Weidler: „Das bei uns immer weniger Kinder das Licht der Welt erblicken, hat mehrere Gründe. Dazu gehören der Wertewandel in der Gesellschaft, die vielfältigen Krisen wie der Krieg in der Ukraine oder die steigende Inflation und auch der viel umstrittene Klimawandel. Dies alles rückt den Kinderwunsch bei jungen Paaren immer mehr in den Hintergrund.“

Betrachtet man die Geburtenraten in Deutschland, dann wird dies deutlich an den Zahlen. 2016 waren es 792.000 Geburten; 2025 rechnen die Statistiker mit 630.000. Der Trend ist weiter fallend. Lediglich während der Corona-Krise gab es 2021 mit 795.000 Geburten ein unerwartetes und einmaliges Jahreshoch – der sogenannte „Corona-Baby-Boom“. Summa summarum beträgt das Defizit aus den letzten 10 Jahren rund 20 Prozent.

Die meisten Kindertagesstätten werden von sogenannten „Freien Trägern“ – wie z. B. der Diakonie bewirtschaftet. Derzeit kämpfen viele Träger mit den zurückgehenden Kinderzahlen. Man hört von befristeten Verträgen, welche auslaufen, von Stundenanpassungen mittels Änderungskündigungen und von Kitas im Landkreis, die aufgrund der Kitabedarfsplanung vom Netz genommen wurden.
„Derzeit steht nicht im Raum, dass eine unserer diakonischen Einrichtungen geschlossen wird, da alle unsere Einrichtungen in der Bedarfsplanung des Landkreises gelistet sind“, so Sina Weidler. Entlassungen soll es im Diakonischen Werk nicht geben. „Damit wir keinen Mitarbeitenden verlieren, erwarten eine größere Flexibilität der Kollegen was den Einsatzort und den Stundenumfang angeht.“ So kann es vorkommen, dass man für einen gewissen Zeitraum in eine andere Kita umgesetzt wird und Neueinstellungen nur mit ca. 20 oder 25 Stunden die Woche befristet werden müssen.
Sina Weidler: „Wichtig ist uns, dass qualifizierte und engagierte Mitarbeiterinnen zum Einsatz kommen. Wir setzten bewusst auf unser Konzept und die Qualität unserer Arbeit!“ Dieses Konzept kommt auch bei den Mitarbeiterinnen gut an – die Fluktuation ist bei der Diakonie sehr gering.

Und unter Qualität ist auch das Leitbild der Diakonie zu verstehen und dessen Umsetzung in allen Einrichtungen. (Weitere Infos dazu finden Sie im Internet unter https://www.diakonie-delitzsch.de/organisation/leitbild-der-diakonie/). Die Diakonie ist eng mit der Evangelischen Kirche verbunden, sie ist ihr offizieller Wohlfahrtsverband. Sie ist nicht nur eine Organisation, die von der Kirche unterstützt wird, sondern ein ureigener Teil der Kirche, der den Glauben durch konkretes, soziales Handeln sichtbar macht.

Beispiel: Kinderhaus „Zum Regenbogen“ in Delitzsch

Im Kinderhaus stehen insgesamt 165 Plätze zur Verfügung – davon 69 in der Kinderkrippe und 96 im Kindergarten. Hier legt man großen Wert darauf, dass die Krippenkinder in ruhiger Atmosphäre aufwachsen können und ihren eigenen Bereich haben, ebenso die Kindergartenkinder. Die neuen Räume – die erst vor wenigen Jahren renoviert wurden – bieten dafür optimale Voraussetzungen. Auch die Anzahl der Kinder pro Gruppe ist ein wichtiges Entscheidungskriterium für die Eltern. Im Kindergartenbereich kommen im Schnitt ca. 20 Kinder auf 2 Erzieher, in der Krippe 16 Kinder auf 3 Erzieher. Auch das Konzept ist den Eltern wichtig.

Das Kinderhaus „Zum Regenbogen“ in der Gellertstraße ist die größte Kita in Delitzsch. Hier stehen – unter dem Dach der Diakonie – 165 Plätze zur Verfügung. Foto: Kinderhaus „Zum Regenbogen“

Leiterin Julia Seidel-Dösinger: „Wir sind eine kirchliche Einrichtung, aber offen für alle Kinder. Entsprechend unserem pädagogischen Konzept arbeiten wir inhaltlich vor allem an Projekten, die gemeinsam mit den Kindern ausgewählt werden. Den Schwerpunkt bildet dabei die religionspädagogische Arbeit.“ So werden z. B. kirchliche Feiertage mit den Kindern besonders vorbereitet und gefeiert. Monatlich wird, zusammen mit Kita der „Morgenland“ in der Stadtkirche St. Peter & Paul der Kita-Gottesdienst mit Diakonie-Pfarrer Stephan Pecusa besucht. Die Wertemaßstäbe in der Betreuung der Kinder sind am Leben der evangelischen Kirche und des Glaubens ausgerichtet. Das kommt bei Eltern gut an und ist für viele ein Grund in der Wahl der Einrichtung. Diese hat sich, so berichtet Julia Seidel-Dösinger, in den letzten Jahren etwas verändert. Während es früher langfristige Anmelde- und Wartezeiten auf einen Kita-Platz gab, bekommen Eltern heute sehr spontan und kurzfristig eine Zusage. Im Kinderhaus „Zum Regenbogen“ gibt es aktuell 10 freie Plätze – Nachfragen lohnt sich also auf jeden Fall. Sina Weidler: „Unsere Kitas haben einen guten Ruf. Qualität ist in unserer Arbeit wichtig – durch sie werden wir am Markt bestehen.“ Andreas Bechert