Wenn Jung und Alt gemeinsam jubeln

Beim Sportfest der Generationen in Delitzsch wurde geworfen, gekegelt, getanzt und angefeuert. Kinder und Senioren erlebten dabei einen Vormittag voller Bewegung, Begegnung und schöner Erinnerungen.

Delitzsch. Es sind genau diese Bilder und Emotionen, die beweisen, dass sich der Aufwand lohnt: strahlende Gesichter, blitzende Augen, glückliches Lächeln und klatschende Hände. Am vergangenen Freitag haben das Demenznetz Delitzsch, der Kreativkindergarten des Soziokulturellen Zentrums und die Tagespflege der Diakonie gemeinsam ein Sportfest der Generationen organisiert. Zwölf Senioren und 17 Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren trafen sich am Vormittag zu Spiel, Spaß und Bewegung – und erlebten gemeinsam wertvolle Zeit.

„Wir haben das Sportfest schon sehr lange geplant“, berichtet Evi Erxleben, Betreuerin in der Tagespflege der Diakonie. Alle drei Einrichtungen hatten überlegt, wie sie Jung und Alt zusammenbringen und dabei vor allem gemeinsam Spaß haben können.

„Wir haben uns an eine alte DDR-Fernsehsendung erinnert: ,Mach mit, mach’s nach, mach’s besser‘, erzählt Evi Erxleben. Deren Konzept, sportliche Wettbewerbe auszutragen, sollte den Kern der eigenen Veranstaltung bilden. Gemeinsam entwickelten die Beteiligten Stationen, die nicht nur die Bewegung fördern, sondern auch das Miteinander. „Das ist das Ziel unseres Sportfestes“, betont Tina Läuter vom Demenznetz Delitzsch. „Wir bringen die Generationen zusammen und stärken so das Gemeinschaftsgefühl.“

Foto aus dem SachsenSonntag

Bewegung verbindet

Das zeigt sich schon bei der Erwärmung. Denn bevor es sportlich wird, muss erst einmal der Körper in Schwung kommen. Die Kinder des Kreativkindergartens muss man nicht lange bitten: Als die Musik ertönt, tanzen und springen sie sofort drauflos. Die Senioren schauen gern zu, lachen und klatschen im Takt.

Dann holt Ergotherapeut Felix ein Schwingtuch hervor. Alle stellen sich im Kreis auf – die Kinder verteilen sich zwischen den Senioren mit Rollator oder auf Stühlen. Gemeinsam fassen sie das Tuch und lassen es hoch und runter schwingen. Als Felix einen Wasserball auf das Tuch wirft und alle auffordert, ihn immer höher fliegen zu lassen, gibt es für Jung und Alt kein Halten mehr.

Die Kinder kreischen fröhlich, versuchen den Ball Schwung in die Höhe zu treiben. Die Senioren lassen sich nicht lumpen, machen begeistert mit und animieren die Kleinen. Eine Szene, die zeigt, wie wunderbar die Generationen miteinander harmonieren können.

Jubel für Frau Bär

Nach der Erwärmung geht es an die fünf Spielstationen: Säckchen-Zielwurf, Ringewerfen, Kegeln, Dosenwerfen und Basketball. Die Kinder sind ganz aufgeregt. Wohin sollen sie zuerst gehen? Felix erklärt die Regeln und beruhigt: „Jeder wird alle Spiele absolvieren.“

Also verteilen sich Kinder und Senioren auf die einzelnen Stationen. Beim Säckchen-Zielwurf müssen kleine, mit Sand gefüllte Stoffsäckchen auf eine leicht angehobene Holzplattform mit Löchern geworfen werden. Je höher das Loch liegt, desto mehr Punkte gibt es. Dann geht es los, die Kinder dürfen zuerst. Aufmerksam schauen die Senioren zu und freuen sich, wenn ein Säckchen im Loch landet. Dann ist Frau Bär an der Reihe. Sie zielt nicht auf die unteren Punkte – nein, sie will die100 Punkte ganz oben. Und … drin!

Die Kinder um sie herum jubeln und springen vor Freude in die Höhe. Für Frau Bär ist das ein Anreiz, es noch einmal zu versuchen. Sie visiert das Ziel an, wirft – und wieder landet das Säckchen im 100-Punkte-Loch. Sie kann es kaum glauben, die Kinder feiern sie. „Hab ich gut gemacht, oder?“, fragt sie in die kleine Runde. Die vier kleinen Sportler antworten mit einem lauten: „Ja!“

Beim Ringewerfen versucht Sabine ihr Glück. Der erste Ring landet auf dem Rasen, doch der zweite und dritte erreichen ihr Ziel. Wieder wird gejohlt und geklatscht. Auch ihre Mitstreiter finden lobende Worte.

Wertvolle Erinnerungen

„Das macht total Spaß“, sagt Lothar und schnappt sich einen Ball, um die Kegel umzuwerfen. Unter den Anfeuerungsrufen der Kinder erzielt er sechs Treffer. „Ich finde den Vormittag richtig schön“, sagt der 86-Jährige.

Helga macht mit 88 Jahren gern Sport und findet die Idee eines Sportfestes deshalb besonders gelungen. Das gemeinsame Spielen weckt bei ihr wertvolle Kindheitserinnerungen und schenkt ihr inmitten der Unbeschwertheit der Kinder ein Stück ihrer eigenen, damals oft verlorenen Jugend zurück.

Aber auch für die Kinder schafft dieses Sportfest wertvolle Erinnerungen. „Manche Kinder haben keine Großeltern, sie genießen die Zeit mit den älteren Menschen“, sagt Doreen Deintja, Leiterin des Kreativkindergartens. Außerdem lernen die Kinder hier auf unkomplizierte Weise, Rücksicht zu nehmen und einfühlsam zu sein – etwas, wovon sie ihr ganzes Leben profitieren können.

An diesem Tag sind auch zwei Auszubildende der Diakonie dabei. Milena, 21 Jahre alt, ist eine von ihnen. „Ich bin das erste Mal bei solch einem Ausflug mit den Senioren dabei und bin beeindruckt, wie die Senioren mit den Kindern agieren und umgekehrt. Die Kinder bringen den Elan mit und motivieren damit die Senioren. Einfach schön zu sehen“, fasst sie das Sportfest zusammen.

Der größte Lohn

Für die Senioren bedeutet der Vormittag auch eine schöne Abwechslung vom Alltag. Am Ende ziehen alle drei Einrichtungen ein positives Fazit. „Wir haben so etwas zum ersten Mal organisiert. Daran werden wir definitiv anknüpfen“, sagt Tina Läuter. „Und ich kann sagen: Der Aufwand hat sich gelohnt. Wenn man in die glücklichen Gesichter schaut, ist das für uns der größte Lohn.“

Zum Abschluss gibt es für alle großen und kleinen Teilnehmer eine Urkunde. Danach finden sich alle zum Mittagessen zusammen und lassen es sich gemeinsam schmecken. Der Jubel an den Spielstationen klingt dabei noch lange nach.

Quelle: SachsenSonntag 22. August 2026, Bild und Text: Nanette Hoffmann